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MK 214 Maschinenkanone

 

 

 

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I. Vorbemerkung

II. Beschreibung

III. Funktion der Waffe

IV. Aufbau der Waffe

V. Technische Daten

 

 Technische Berichte

Dokumente in der Zeitlinie

Bilder & Skizzen

 

I. Vorbemerkung


Als Zwischenlösung der schweren 5,5 cm Kanonen hatte Firma Mauser den Auftrag, die 5 cm Kampfwagenkanone KWK 39 durch die zusätzlichche Anbringung einer Ladeeinrichtung zu einer automatisch schießenden Waffe mit Laderahmen umzukonstruieren. Waffengewicht : 480 kg. Man erreichte damit eine Schußfolge von 145 Schuß/Min. Dieser erstmalig beschrittene Weg war meiner Ansicht nach der Anfang für eine Art Baukastenkonstruktion im Waffenbau. Die MK 214 A war zunächst als Bordkanone gegen Luftziele für ein Mienengeschoß mit 350 gr Sprengladung (vo 920 m/sek) gefordert worden. Außerdem wurde ihr Einsatz gegen Panzerkampfwagen geplant.

Die M.K. 214 A war eine von den Mauser Werken in Oberndorf durchgeführte Parallelentwicklung zur BK 5 , mit einer wesentlich höheren Schußleistung. Die Schußfolge betrug bei beiden Waffen 130 Schuss/Min. Das Projekt wurde unter Federführung von Direktor E. Linder, im Juli 1943, aufgrund eines RLM-Auftrages begonnen. Mauser griff als Ausgangsmuster, wie Rheinmetall-Borsig, auf die Kampfwagenkanone KWK 39/12 zurück, übernahm das Rohr unverändert, modifizierte den vorhandenen Verschluß und entwickelte eine völlig neue automatische Ladevorrichtung.

Bei der MK 214 hat es nun noch ein „Tauziehen" zwischen Bord- und Flakwaffe gegeben: Da man bereits an einer Kalibererhöhung auf 55 mm arbeitete und Mitte April 1944 diese neue Waffe als MK 214B kennzeichnete, wurde am 19. September 1944 das „A"-Muster für die Flak vorgesehen.

 

 

 

MK 214

5,5 cm Flugzeugkanone

 

 

 

II. Beschreibung

 

MK 214 Verwendung: Starre Bordwaffe


Wegen des zu hohen Montagegewichts der MK 114 (Rh. Borsig.) vergab das RLM an die Fa. Mauser einen ähnlichen Auftrag im Juli 1943. Aus Zeitgründen schlug Ing. Nitschke vor, die KWK (Kampfwagenkanone)-39/1 als Ausgangsbasis zu benutzen, die bereits als Grundlage für die BK 5-Muster Verwendung fand. Für den Einbau in Flugzeuge war die aus etwa 390 Einzelteilen bestehende MK 214 zu kompliziert. Die Durchladung mußte durch einen an der linken Waffenseite angebrachten Hebel von Hand erfolgen, das hieß, eine Funktionsstörung konnte während des Fluges nicht beseitigt werden. Damals ging es aber darum, eine weitreichende Waffe schnellstens zum Einsatz zu bringen, deshalb können wir gewisse Entscheidungen, „. .. diese Bordwaffe, trotz gewisser Nachteile, einsatzfähig zu machen", die sich in den Erprobungsberichten finden, heute nicht mehr in der vollen Erkenntnis der Lage kritisieren.

Me 410 mit Bordkanone BK 5

 

Me 410

Me 410 mit Bordkanone BK 5

 

 


Flugerprobung mit der Me 262

 

Nach einer Weisung des Führers vom 04.11.1944 sind folgende Sofortmassnahmen zum Einbau der MK 214 in Front-Flugzeuge zu treffen :

Auszugsweise Vollzugsabschrift

 

 

Geflogen ist die MK 214A (Baumuster V2 und V3) mehrmals in der Me 262 A-1 V, Wie die folgenden Dokumente vom 4.03. bis 23.03.1944 beweisen.Tests der Waffe wurden im Stand- und Luftbeschuss durgeführt.

 

Lechfeld Me 262
Oberammergau 04.03.1945 - 17.03.1945

 

Auch wurden weitere Flüge mit der Messerschmitt Me 262 durchgeführt durch die Flugzeugführer Bauer und am 05.04.1944 durch Flugzeugführer Major Hergert.

 

Flüge mit Me 262 am 05.04.1944

 

Montagen waren für einige neue Zerstörertypen, z. B. für den Druckschraubenjäger DO P. 252/3, vorgesehen. Ende März 1945 hat sogar Heinkel noch über die Möglichkeit der Montage in die He 162 mit der Firma Mauser verhandelt. Die neue Waffe MK 214B mit 55 mm Kaliber, deren Entwicklung von Ing. Fröbel geleitet wurde, sollte etwa 630 kg wiegen und eine Schußfolge von 180 Schuß/Min. haben. Von dieser vollautomatischen Waffe ist eine Probemontage infolge des halbfertigen Laufes und Ver-schlusses nicht mehr möglich gewesen, trotzdem begann am 15. März 1945 schon die Materialvorbereitung für die erhoffte Serienfertigung.

 

Me 262 A-1 mit MK 214 / März 1945 / Fliegerhorst Lechfeld bei Augsburg

 

 

Die Entwicklungsergebnisse der 5,5 cm Fliegerkanone bis Kriegsende.

 

An der Entwickiung der 5,5 cm Waffen beteiligten sich die Firmen Rheinmetall-Borsig mit den Modellen MK 112 und MK 114 und Mauser mit der MK 214 B. Ferner Firma Mauser mit einer interessanten. Zwischenlösung, der Automatisierten 5 cm Kampfwagenaknone KWK 39, genannt MK 214 A, sowie die Firma Krupp mit ihrem Studiengerät MK 412 und schließlich nochmals Firma Rheinmetall-Borsig mit der wissenschaftlich beachtlichen Lösung der rückstoßfreien Düsenkanone MK 115 vertreten.


Die Entwicklung dieser Waffen unterlag ; wie auch schon das MG 213, der Kontrolle der Sonderkommission für automatische Kanonen beim, ehemaligen Ministerium für Rüstung und Kriegsproduktion, welche die Durchführung der Entwicklungen der "Versuchsteile" dem Ziele weitgehender Vereinheitlichung hinsichtlich der Ausführung und nach Dringlichkeit zu steuern hatte.
Von diesen Waffen ist nur die 5 cm MK 214 A in der Ent-wicklung; abgeschlossen und im letzten Vierteljahr zum Einsatz gebracht worden. Andere Mustergeräte waren zwar werkstattmäßig fertig und befanden sich im Firmenversuch. Die Weiterarbeit an diesen Aufgaben konnte wegen Vordringlicherer Entwicklungsarbeiten innerhalb des Konzentrations-programms der Sonderkommission automatische Kanonen im letzten Kriegsjahr nur noch langsam gefördert werden. Das Inter-esse an diesen Waffen erlahmte z.T. auch, da sie für den Kriegseinsatz nicht mehr Infrage kamen, oder durch Vorschläge auf dem Raketengebiet überboten wurden. Eine endgültige Entscheidung darüber, welche der Entwicklungen zu Gunsten dieser oder jener Kanone gänzlich einzustellen war, war bei Kriegsende jedoch noch nicht getroffen worden.

Mündungsbremse für die MK 214

 

 

III. Funktion der Waffe

 

Flugzeugmaschinenkanone M.K. 214 A1, Kaliber 5 cm


Die Patronen wurden der Waffe durch einen Zerfallgurt (Abb A-17) von der linken Seite her zugeführt. Bei vertikaler Zuführung reichte der Gurtzug für 8 und bei einer Zuführung unter einem Erhebungswinkel von 30 Grad über der Rohrebene, für 20 Patronen aus. Die Patronen wurden nicht direkt vom Gurtglied aus in das Patronenlager eingeführt, sondern zuerst von einer Klaue erfaßt (Abb B-11), die sie aus dem Gurtglied zog und auf den Ladetisch (Abb B-14) legte. Der Ladetisch bewegte sich darauf hinter dem vorlaufenden Rohr mit nach vorn, um in seiner vordersten Stellung die Patrone vom Ladetisch in das Patronenlager des Rohres einzuführen. Hatte die Patrone ihre richtige Lagerung erreicht, wurde durch den Auswerfer der geöffnete Keilverschluß (Abb B-15) freigegeben, der dann fest verriegelte, während der Ladetisch in seine Ruhestellung zurücklief. Erst jetzt konnte die Schußauslösung erfolgen, weil dazu zwei elektrische Kontakte, der erste durch die feste Verriegelung des Verschlusses (im 240 kg schwere Verschlußblock) und der zweite durch den Ladetisch in seiner Ausgangsstellung, geschlossen sein mußten. Die Patrone wurde elektrisch gezündet, das Geschoß verließ den Lauf(Abb C-4). Während des 230 bis 270 mm langen Rücklaufs des Rohres, der ganze 0,08 sek dauerte, öffnete der Auswerfer den Keilverschluß und warf die leere Hülse aus. Eine hydraulische Bremsvorrichtung fing die 2400 kg hohen Rückstoßkräfte auf (Abb 3). Die Vorwärtsbewegung des Rohres und die erneute Einleitung des Ladevorganges erfolgten pneumatisch. Von Nachteil war, daß vor dem Start die Kanone manuell durch-geladen und eine Patrone in das Patronenlager des Rohres eingeführt werden mußte, was bedeutete, daß eine Waffenstörung, z. B. Ladehemmung, während des Fluges nicht behoben werden konnte.


Die ersten vier Versuchsmuster dieser Kanone wurden in Oberndorf zusammengebaut. Rohr, Verschlußblock und Mündungs- bremse kamen von der Firma Garni in Frankfurt/Main. Weitere Teile fertigten die Metallwerke in Spaichingen. Erste Boden- schußversuche fanden am 28. Februar 1945 statt, woraufhin gegen Ende März die Kanone in Lechfeld in eine Me 262 A-1a(V) lafettiert werden konnte. Schußversuche mit einer Me 262 sind dann auch durchgeführt worden. Das ganze Projekt wurde schließlich eingestellt und die wenigen vorhandenen M.K. 214 A in das bereits angelaufene Entwicklungsprogramm M.K. 214 B, einer 55 mm Flugabwehrkanone überführt, das später auch wieder eingestellt wurde.

Arbeitsweise der Munitionszuführung bei der M.K. 214

 

Abb. A - B Abb. C - D
   
1) Rohr 1) Zuführungsantrieb
2) Transporthebelführungsbahn 2) Ladetischdrehpunkte
3) Gehäuse 3) Patronen Zubringer
4) Zubringer 4) Ladetisch Auslösung
5) Zubringer Sperrlinke 5) Gehäuse
6) zugeführte Patrone 6) Verschlußvorholer
7) Verschluß 7) Einführen der Patrone
8) Transportschieberhebel 8) Ladetisch
9) Zuführungsantrieb 9) Ladetisch Freigabe
10) Kurvenbahn zur Betätigung der Klauen 10) Zubringer Federn
11) Klaue legt Patrone auf den Ladetisch 11) Ladetisch Rückholfeder
12) Fangriegel  
13) Ladetisch Rückholfeder  
14) Ladetisch  
15) Zuführungsvorrichtung gespannt  
16) Auslösung des Ladestocks  
17) Querschnitt durch die Munitionszuführung  
18) Draufsicht (während des Rückstoßes)  

 

 

 

IV. Aufbau der Waffe

 

Abb 1: Gesamtansicht MK 214 - 1. Haupt-Gehäuse 2. Lauf 3. Magazin

 

 

Abb 2: Automatischer Belade-Mechanismus für den Munitionsgurt der 5,5-cm-Kanone

 

Abb 3: Gehäuse geöffnet - 1. Joch 2. Rückstoss-Dämpfungszylinder 3. Führunszylinder

 

 

Abb 4: 1. Klauen 2. Klauen-Schalt-Arm 3. Gelenk

 

Abb 5: Lade-Gehäuse (teilweise zerlegt) entlastet

 

Abb 6: Patrone dem Ladetisch bereit in Feuer-Stellung gebracht zu werden

 

Abb 7: Automatischer Lademechanismus ohne Gehäusedeckel

 

Abb 8: Einblick in das geöffnete Gehäuse

 

Abb 9: Gehäuse mit eingelegtem Patronengurt

 

Abb 10: Gurtengleider mit Patronen

 

 

Teile der MK 214

   
   

 

 

 

V. Technische Daten für die MK 214 A:

 

Der aus der Heeresfertigung übernommene Lauf besaß einen Progressivdrall von 4° 41' zu 5° 58', der siebartige Mündungsdämpfer stammte von der BK5.

 

Kaliber 50 mm
Länge 4160 mm
Höhe 440 mm
Breite 510 mm
Lauflänge 2825 mm
davon mit 20 Zügen 2594 mm
Waffengewicht 490 kg
Laufgewicht 201 kg
Montagegewicht/Bug 718 kg
Schußfolge 150 Schuß/Min.
Vo für M.Gr. 930 m/Sek.
Gasdruck 2600 at
verschießt Geschossgewicht    
verschießt Sprengstoff 0,675 kg/Sek.  

Munition (M.Gr.):    
Patronengewicht 3,800 kg kg
Geschoßgewicht 1,540 kg kg
Sprengstoff 0,270 kg kg
Hülsengewicht 1,340 kg kg
Treibladung 0,920 kg kg
Leergurtglied 1,120 kg kg
Zerfallgurt 100/leer 114,0 kg
Zerfallgurt mit 100 M.Gr. 494,0 kg
Patronenlänge 607 mm
Geschoßlänge 230 mm
Hülsenlänge 425 mm

 

Für Waffenkenner als Beispiel noch der Wert für die Mündungsenergie, der hier 66 000 mkg betragen hat.
Übrigens war für den Einsatz die Verwendung der LM.Granate. 3 auf Grund der um fast 20% größeren Sprengstoffmenge vorgesehen.

 

GP 24/1
Projekt SK 884 - für MK 214

 

 

Geschossberechnung

17.04.1940

pdf. Datei Grösse 2 MB

 


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Technische Berichte

 

Dringlichkeit der Entwicklung 5,5 cm Waffen

 

Funktionsuntersuchung MK 214 A

14.04.1944

pdf. Datei Grösse 14 MB

 

Laufverschleiss MK 214 A/B

01.06.1944

pdf. Datei Grösse 2 MB

 

Einbau in die Me 410

28.04.1944

pdf. Datei Grösse 2 MB

 


 

Dokumente in der Zeitlinie

Entwicklung der MK 214

 

 
Dokument
Zeitrahmen
Grösse
   
1943
 
Mauser
16.07.1943
2,0 MB
       
Mauser
27.09.1943
3,0 MB
       
Mauser
22.11.1943
1,0 MB
       
Mauser
16.12.1943
1,0 MB
   
1944
 
Mauser
06.01.1944
3,0 MB
       
Besprechung in Oberndorf
04.02.1944
1,0 MB
   
 
Mauser
18.02.1944
1,0 MB
   
 
Besprechung Oberndorf
13.04.1944
1,0 MB
   
 
Mauser
22.05.1944
1,0 MB
   
 
Krupp
05.06.1944
6,0 MB
   
 
Reichsminister f. Rüstung
22.06.1944
0,5 MB
   
 
Mauser
10.06.1944
1,0 MB
   
 
Mauser
24.08.1944
2,0 MB
   
 
Krupp
11.09.1944
1,0 MB
 
   
 
1945
 
   
 
Mauser
30.01.1945
1,0 MB
   
 
Mauser
02.02.1945
2,0 MB
   
 
Forschungsanstalt Oberammergau
12.03.1945
0,5 MB
   
 
Reichsminister f. Rüstung
06.04.1945
2,0 MB

 

 

Zeitrahmen & Technischer Stand

pdf. Datei Grösse 4 MB

 

 

Übersicht der 5,5 cm Bordwaffen bei Mauser

 

 


 

Bilder & Skizzen

MK 214

 
Bezeichnung

Skizze - Ladevorgang

aus den USA

Schnittzeichnung von allen Seiten

Skizze Gehäuse MK 214

aus den USA

 

 

Me 262 Beutemaschine in den USA mit MK 214 Bewaffnung

 

Me 262 bei der Erprobung mit MK 214

 

 

 

 

 

 

 

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