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Lorinantrieb

 

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In Erinnerung an Sänger Eugen

Seanger Eugen

Eugen Sänger

Raumforscher

* 22.9.1905, Preßnitz (Böhmen) - † 10.2.1964, Berlin

 

Eugen Sänger, Sohn eines Kaufmanns, besuchte die Grundschulen in Budaörs und Kelenföld in Ungarn, damals zum Habsburgerreich gehörend, und von 1916 bis 1923 die Bundes-Oberrealschule in Graz (Steiermark). Dann studierte er an den technischen Hochschulen Graz und Wien Bauingenieurwesen. Bestimmend für seine Berufswahl wurden der Roman „Auf zwei Planeten" von Kurd Laßwitz und Hermann Oberths Buch „Die Rakete zu den Planetenräumen". Nach Ablehnung eines Dissertationsentwurfs „Raketenflugtechnik" promovierte er am 5.7.1930 zum Doktor der technischen Wissenschaften über das Thema „Die Statik des vielholmig-parallelstegigen, ganz- und halbfreitragenden, mittelbar und unmittelbar belasteten Fachwerkflügels". Von 1930 bis 1935 Assistent am. Institut für Baustoffkunde der TH Wien, beschäftigte er sich daneben mit der Berechnung und Erprobung von Raketentriebwerken. Er führte erste erfolgreiche Versuche mit zwangslaufgekühlten Flüssigkeitsraketentriebwerken durch, wobei sein Endziel entsprechend dem Ideal der „Wiener" Schule Franz von Hoeffts und Guido von Pirquets die Entwicklung eines Raumflugzeugs war. Das Ergebnis seiner Untersuchungen veröffentlichte er 1933. Bei seinen praktischen Versuchen wies er nach, daß Raketentriebwerke Ausströmgeschwindigkeiten bis zu 3000 m/s erreichen konnten.

 

 

Opel

Triebwerktest Test auf einem LKW

 

 


1936-1945

Da er in seiner Heimat keine Förderung seiner Forschungsarbeit erhalten konnte, ging Eugen Sänger nach Deutschland und setzte ab 1.2.1936 seine Arbeiten zunächst bei der DVL in Berlin-Adlershof und ab Februar 1937 bei der DFL in Braunschweig und Trauen (Lüneburger Heide) fort, wo er den Auftrag hatte, eine Versuchsstelle für Raketenflugtechnik zu entwerfen, und an der Entwicklung von Flüssigkeitsraketentriebwerken von 3 bzw. 100 t Schub arbeitete. Als an höherer Stelle entschieden wurde, diese Entwicklungen einzustellen, setzte er im September 1942 seine wissenschaftliche Tätigkeit bei der Deutschen Forschungsanstalt für Segelflug (DFS) in Ainring fort. Hier wurden Staustrahltriebwerke sein Forschungsschwerpunkt.

 

Dornier Do 17z mit einem kleinen 2400 kp Test-Triebwerk

Do17z

Bis Sommer 1944 wählte man ein etwas kleineres Triebwerk mit einem Durchmesser von 1000 Millimeter aus, das für Raketen und Flugzeuge als Haupt- oder Hilfsantrieb verwendet werden sollte

 

Versuchsrohr auf einer Dornier Do 217 E-2

Do217

 

 

Ab dem Jahre 1940 arbeitete Prof. Dr. Eugen Sänger im Auftrag des Reichsluftfahrtministeriums (RLM) an der Entwicklung von Staustrahl-Triebwerken. Gewünscht wurde damals die Entwicklung eines Triebwerks für einen Abfangjäger, der fähig sein sollte, binnen zwei Minuten auf zwölf Kilometern Flughöhe zu steigen und in diesem Bereich etwa eine Stunde lang einsatzfähig zu bleiben.

 

Vermutlich Brandschaden an den Metalteilen der Do ?

Dornier

 

 

Für diesen letztendlich nie realisierten - Jäger unter der Codebezeichnung »Feuerlilie« wurden von Prof. Sänger mehrere Versuchsrohre entwickelt und auf dem Rücken von Do-17Z- und Do-217E-2-Flugzeugen von 1942 bis 1944 in Ainring bei der Deutschen Forschungsanstalt für Segelflug (DFS) erprobt.

 

Original-Skizze Lorinantrieb für Strahljäger

Seangerprojekt

 

 

Bei Kriegsende gab es zwar eine Reihe von Staustrahl-Jäger-Projekten der deutschen Luftwaffe, wie z. B. die Skoda-Kauba SK P 14, Messerschmitt P.1101 L und Heinkel P.1080, die aber alle nur über kleinere Staustrahl-Triebwerke verfügen sollten. Anders sähe es jedoch aus, wenn der 9-Tonnen-Sänger-Staustrahlantrieb oder eine daraus resultierende, leistungsverstärkte Weiterentwicklung auf dem Rücken des Bombers in Wirklichkeit für einen großen Flugkörper oder eine Rakete dienen sollte. Seine Antriebsstärke war der Peenemünder A-4 relativ ähnlich - somit wir beim Projekt-Silbervogel sind.............

 

 

 

 

 

Das Sänger-Silbervogel-Projekt

(Amerikabomber) ?

 

Silbervogel

 

Im Laufe des 2.Weltkrieges hingegen, war kein Platz für Träume von friedlicher Weltraumforschung: Aus Sängers damaligen Gleiterprojekten wurde ein Fernbomber-Konzept. Das 100 Tonnen schwere Flugobjekt wurde liebevoll "Silbervogel" getauft. Sängers Berechnungen zufolge war der nötige Sauerstoff aus komprimierter Luft im Eingang des Triebwerks abzuzweigen. Verglichen mit von Brauns V2 ein vorteilhaftes Konzept, denn die V2 musste sämtlichen Sauerstoff auf Kosten der Nutzlast mit sich schleppen.

Der Entwurf war bemerkenswert, da er neue Raketentechniken und das Prinzip eines Gleiters ausnutzte. Am Ende wurde der Entwurf als zu komplex und teuer für eine Realisierung angesehen. Es gab nur Windkanal-Tests.

 

Der Silbervogel sollte Langstreckenflüge mit Hilfe einer Serie von kurzen Sprüngen realisieren.

Karte

 

 

Das Flugzeug sollte zu Beginn seiner Mission entlang einer 3 km langen Eisenbahnschiene durch einen raketengetriebenen Schlitten beschleunigt werden. Einmal gestartet, sollte es seine eigenen Raketen zünden und auf eine Flughöhe von 145 km ansteigen, in der es mit einer Geschwindigkeit von 22.100 km/h geflogen wäre.

 

Start des Silbervogels

Start

 

 

Dann sollte es schrittweise in die Stratosphäre herabsteigen, wo die höhere Luftdichte einen Auftrieb auf der flachen Unterseite des Flugzeugs erzeugt hätte, der es schließlich zum „Springen“ gebracht und auf eine größere Flughöhe hätte ansteigen lassen. Daraufhin hätte sich der Vorgang wiederholt. Wegen des Luftwiederstandes wäre jeder Sprung kleiner gewesen als der vorherige. Es wurde jedoch errechnet, dass der Silbervogel in der Lage gewesen wäre, den Atlantik zu überqueren, eine 4.000-kg-Bombe über dem amerikanischen Kontinent abzuwerfen und dann seinen Flug bis zur Landung irgendwo im japanischen Teil des Pazifiks fortzusetzen – eine Reise von insgesamt 24.000 km.

Bei Nachkriegsanalysen stellte sich ein Fehler in der Berechnung der aerodynamischen Erhitzung beim Wiedereintritt heraus. Die Korrektur des Fehlers erbrachte, dass der Silbervogel beim Wiedereintritt verglüht wäre. Trotzdem war es nicht unmöglich, dieses Problem zu lösen, und nach dem Zweiten Weltkrieg zeigten die USA und die Sowjetunion (heutiges Russland) Interesse an Sängers Arbeit.

 

 

Sänger-Silbervogel-Projekt (Amerikabomber)

Silbervogel

Mit 15 Metern Spannweite und 28 Metern Länge sollte der Bomber auf einem Raketenschlitten auf Überschalltempo katapultiert werden und nach dem Abheben eine Höhe von 145 Kilometern erreichen. Als Endgeschwindigkeit schwebte Sänger mehr als 20-fache Schallgeschwindigkeit vor - ein Wert, den bis heute kein Flugzeug erreicht hat.

 

Video

Silbervogel Projekt

 

 

Neben detaillierten theoretischen Arbeiten erprobte Sänger Modellversionen des "Silbervogel"-Antriebs auch in der Praxis. Bei Flugversuchen montierte er das Triebwerk Huckepack auf einem Propellerflugzeug. (Siehe dazu auch oben Do 217 mit Testtreibwerk)

Am Kriegsende war der Silbervogel noch weit davon entfernt, sein Nest zu verlassen. Sängers Arbeit inspirierte jedoch später den Bau amerikanischer Raketenflugzeuge wie der berühmten X-15 und X-20. Zu friedlichen Zwecken mochten auch die Amerikaner Sängers Entwürfe nicht nutzen: Die X-20, später auch "Dyna Soar" genannt, sollte in einer suborbitalen Bahn die UdSSR überfliegen - und Wasserstoffbomben abwerfen können.

 

X20

Die X-20 Dyna-Soar hier als NASA mock-up

 

 

1946

Ab Ende 1945 widmete er sich in Frankreich am Arsénal de l'Astronautique, später bei der Firma Nord-Avion überwiegend Fragen der Entwicklung großer Staustrahltriebwerke. Im Herbst 1954 gelang es Eugen Sänger, mit Unterstützung der Gesellschaft für Weltraumforschung, in Stuttgart eine Forschungsbasis in der Form des „Forschungsinstituts für Physik der Strahlantriebe 44 (FPS) zu erhalten. An der TH Stuttgart erhielt er ab Wintersemester 1954/55 einen Lehrauftrag, 1957 wurde er zum Honorarprofessor ernannt. Das von ihm geleitete FPS beschäftigte sich u.a. mit der Entwicklung von Heißwasserraketen und Staustrahlantrieben für Hubschrauber sowie von chemischen Flüssigkeitsraketen, ferner mit theoretischen Arbeiten über Plasmaraketen, Photonenraketen, mit gaskinetischer Strömung und einschlägigen thermodynamischen Prozessen.

 

1963

Am 1.3.1963 wurde Eugen Sänger zum ordentlichen Professor an der TU Berlin auf den ersten deutschen Lehrstuhl für Raumfahrttechnik (damals Lehrstuhl für Flugtechnik V genannt) berufen. In Berlin zu wirken war ihm lediglich ein Jahr vergönnt, da er plötzlich am 10.2.1964 in Ausübung seines Dienstes verstarb. Eugen Sänger kann als Vater der wiederverwendbaren Raumfahrzeuge angesehen werden, die in den achtziger Jahren zum Hauptträger der Raumtransporte avancieren. Er hat in erheblichem Maße die theoretischen Grundlagen für diese Systeme erarbeitet. Wir verdanken ihm auch wesentliche Beiträge zur Theorie und Entwicklung der Staustrahlantriebe und Heißwasserraketen. Schließlich ist er derjenige Forscher, dessen schöpferische Tätigkeit mit der Theorie der Photonenrakete die Möglichkeiten und Grenzen der fast lichtschnellen Raumfahrt aufgezeigt hat.

Eugen Sänger war von den dreißiger Jahren bis zu seinem frühen Tod die Speerspitze der Raumfahrttheorie und hat demonstriert, daß ein einzelner schöpferischer Forscher die Leitlinien der technischen Entwicklung der Raumfahrt aufzuzeichnen vermag. Wenn er auch oft der Ansicht war, daß seine Ideen schneller verwirklichbar sein müßten, als die tatsächliche Entwicklung dies bewerkstelligte, so ist das doch eher den Zeitumständen zuzuschreiben als ihm selbst.

Zeit seines Lebens war es ihm ein besonderes Anliegen, in den Fachgesellschaften einen Beitrag zur Verbreitung des Gedankens der Raumfahrt sowie zum Selbstverständnis der in dieser Disziplin tätigen Wissenschaftler zu leisten. So wurde er 1951 zum ersten Präsidenten der Internationalen Astronautischen Föderation gewählt, ein Amt, das er bis 1953 innehatte. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland war er Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Raketentechnik und Raumfahrt (DGRR) in der Zeit von 1956 bis 1963. Auch war er Gründungsmitglied der International Academy of Astronautics, Paris, einer Institution, für die er sich zusammen mit Prof. von Kármán sehr einsetzte.

Eugen Sänger war Ehrenmitglied zahlreicher astronautischer Gesellschaften in Deutschland, Großbritannien, Österreich, USA, Norwegen, Schweden, Schweiz, Argentinien und Italien. Er erhielt die Hermann-Oberth-Medaille der Gesellschaft für Weltraumforschung, das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst erster Klasse und das Bundesverdienstkreuz erster Klasse, ferner die Goldene Gagarin-Medaille der Assoziazione Internationale Uomo nelle Spazio. Er wurde zum Kommandeur des Ordens Mérite pour la Recherche et l‘Invention, Paris, ernannt. – Ihm zu Ehren stiftete die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt die Eugen-Sänger-Medaille, die für Verdienste auf dem Gebiet der wiederverwendbaren Raumfahrzeuge vergeben wird. Zu den Ehrungen nach seinem Tode gehören ferner die Benennung eines Mondkraters (4° N, 102° O) nach Eugen Sänger (1970) und die Aufnahme in die International Space Hall of Farne in Alamogordo, New Mexico (1976).

 

 

Hinweis zu den Werken von Eigen Sänger

 

Werke Eugen Seanger

 

 

 

Dokument

Lorinantrieb

Lorinantrieb für Strahljäger von E.Sänger und I.Bredt pdf. Datei Grösse 10 MB

 

 

Silbervogel

Silbervogel (Amerikabomber) hier als Künstlerstudie

 

 

 

Quellenangaben: www.Deutscheluftwaffe.de, div.Archive,Quelle: Kurzbiographien aus der Luft- und Raumfahrt 1/82, mit freundlicher Genehmigung der DGLR (Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt e.V.) nachgedruckt

 

 

 

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