Focke Wulf FW 200 C-3/U-4

Fernaufklärer


Vorbemerkung:

Der bekannte Fernbomber FW 200 wurde speziell für den Einsatz über dem Atlantik zur Beobachtung von Geleitzügen als Fernerkunder umgebaut und verwendet. Entscheitend für diese Aufgabenstellung war nicht so sehr eine hohe Reisegeschwindigkeit als vielmehr eine möglichst lange Flugzeit, um ein großes Gebiet überwachen zu können.

Der Fernerkunder FW 200 C-3/U-4 entstand aus der serienmäßig FW 200 C-3 durch den Einbau von zusätzlichen Kraftstoffbehältern in der Rumpfwanne. Mit diesem Vorrat wurde eine Gesamtflugzeit von 17 Stunden gegenüber 14 Stunden der normalen C-3 erreicht.

 

Zusatzbehälter im Bombenraum (Rumpfwanne) der FW 200 C-3/U-4

 

Die Version C-3/U-4 unterscheidet sich äußerlich - außer durch die Bewaffnung - nicht von der serienmäßigen FW 200 C-3. Die Flugzeuge konnten entsprechend der gewünschten Einsatzmöglichkeit wahlweise als Fernbomber FW 200 C-3 oder Fernaufklärer C-3/U-4 geflogen werden. Üblicherweise wurden die Maschinen jedoch so be-lassen, wie sie vom Werk geliefert wurden. Die Unterbringung der Tankanlage in der FW 200 C-3/U-4, wie sie auch in den späteren Fernerkundern der Baureihe FW 200 verwendet wurde, ist in dem vorliegenden Beitrag neben den notwendigen technischen Daten wiedergegeben.

Die FW 200 C-3/U-4 wurde von der Firma Focke-Wulf ab der Werk-Nummer 0070 produziert, ein nachträglicher Umbau bei den Frontwerften war möglich.

 

Einbau der Zusatzbehälter in den Bombenraum.

Bei der linken Maschine sind unter der linken Tragfläche die einbaubereiten Behälter zu sehen !

 

Kurzbeschreibung FW 200 C-3/U-4:

Die Version FW 200 C-3/U-4 ist ein Fernerkunder mit Zusatzkraftstoffbehältern im Rumpf und an den Außenstationen der Tragflächen und Motoren sowie in der Rumpfwanne. Bei der Verwendung als Fernbomber ist bei einer Abwurflast von 1000 kg die Mitnahme von Kraftstoff entsprechend der FW 200 C-3 (und damit eine geringere Reichweite) möglich.

Die Besatzung besteht aus 7 Mann, für die insgesamt 8 Heizbekleidungsanschlüsse in der Maschine vorhanden sind.

Der 4motorige Tiefdecker ist in Ganzmetallbauweise ausgeführt und hat ein Einziehfahrwerk. Die Raumaufteilung und Ausrüstung der Maschine soll kurz beschrieben werden.

 

Zusammenstellung der Lasten der FW 200 C-3/U-4

 

1. Raumaufteilung:

Bugkappe: Die Bugkappe ist aus Holz und enthält den Peilrahmen.

Führerraum: Im Führerraum sind zwei Führersitze nebeneinander, hinter dem rechten Sitz ist der Navigationstisch, hinter dem linken Sitz ein bequemer Ruhesitz quer zur Flugrichtung eingebaut.

Funkerraum: Der Funkerraum schließt sich an den Führerraum an und hat oben den A-Stand, links vorn FuG X Geräte, links hinten DLH Lorenz-Kurzwellenstation, rechts unten die Munition für den A-Stand, rechts oben Lebensmittel und Kochplatte. Unten der Durchstieg zum D-Stand in der Rumpfwanne.

Kleiner Rumpfraum: Der Raum schließt sich an den Funkerraum an. Rechts vorne der Ölnachtankbehälter, rechts hinten der Schalttisch für die Kraft- und Schmierstoffanlage.

Links vorn ein Navigationstisch, links oben zwei Behälter für Hydrauliköl und Luft-schrauben-Enteisungsflüssigkeit. Ein Kraftstoffbehälter (I) mit 1100 1 Inhalt.

Großer Rumpfraum: Der Raum nimmt den größten Teil des Rumpfes ein. Rechts sind folgende Teile von vorn nach hinten angeordnet:

Schlauchboot, Kraftstoffbehälter (V) mit 1100 l, 3 Trommel-Magazinbehälter, 2. Kraftstoffbehälter (III) mit 1100 l, Navigationstisch und darunter das Bildgerät. Der Durchstieg zum C-Stand in der Rumpfwanne ist zwischen den beiden Kraftstoffbehältern.

Auf der linken Seite ist in der gleichen Reihenfolge angeordnet: 2 Kraftstoffbehälter (II und IV) mit je 1100 l Inhalt. 1 Reserve MG 15, Ruhesitz für den Schützen, Einstiegstür.

Hinterer Zwischenraum: An den großen Rumpfraum anschließend, an beiden Fenstern je ein MG 15 in ausschwenkbaren Fensterlafetten gelagert. Am Boden sind zwei Liegematratzen.

Hinterer Zwischenraum: An den großen Rumpfraum anschließend, an beiden Fenstern je ein MG 15 in ausschwenkbaren Fensterlafetten gelagert. Am Boden sind zwei Liegematratzen.

Hinterer Rumpfraum: Der hintere obere Stand (B-Stand), ein Bildgerät, Sauerstoffbatterie und der Toiletteneimer.

 

Zusatzbehälter der FW 200 C-3/U-4, links Behälter I, rechts Schmierstoffbehälter
Rechts vorn der Schmierstoffbehälter, dahinter Behälter V, links Behälter II

Rechts vorn Behälter V, hinten Behälter III; links vorn Behälter II, hinten Behälter IV

 

 

2. Panzerung:

Führersitz links: 8mm Panzerplatte vorn, unten und hinten, mit Kopfschutz.
A-Stand: Nicht geschützt.
B-Stand: 8 mm Panzerplatte hinten Panzerkragen oben hinten.
C-Stand: 8 mm Panzerplatte unten
D-Stand: 8 mm Panzerplatte unten, nur bei MG FF Lafette.
B- und C-Stand -Panzerung leicht ausbaubar.

 

3. Ausrüstung und Geräte:

a) Flugüberwachungsgeräte:  
  für Nacht- und Blindflug ausreichend.
b) Sicherheits- und Rettungsgeräte:  
  Sauerstoffanlage: 18 Flaschen, 8 Atemgeräte. 2 tragbare Geräte.
  7 Schnellklickfallschirme 7 Fallschirmhalterungen dazu.
  Rechter und linker Führersitz für Sitzkissenfallschirm.
  8 Sitze mit Bauchgurt, A-Stand mit Sitzgurt.
  7 Halterungen für Gasmasken
  1 Sanitätspack, 1 Sanitätstasche, 2 Schlauchboote für 6 Personen, 1 Boot mit Notsender.
  2 Feuerlöscher für Triebwerke, 2 Handfeuerloscher im Rumpf.
  Kärcher-Heizgerät für Heizung des Führer- und Funkraumes und des D-Standes.
c) Nachrichten- und Verständigungsgeräte:  
  Bordfunkgerät: FuG X.
  Peilgerät: Peil G 5.
  Blindlandeanl.: Fu B 1.
  Eigenverständ.: Ei V.
  Zusatz Funkgerät: DLH-Lorenz-Kurzwellenstation.
  Kennungsgerät: FuG XXV.
  Höhenmesser: Fu NG 101 geplant.
  Leuchtpistole mit 12 Schuß.
d) Navigationsgeräte:  
  Patin Kompaßanlage. Kompl. Ausrüstung für astronomische Navigation.
e) Kurssteuerung:  
  Askania Lstz 14a.

 

4. Triebwerk und Behälteranlage:

 

Übersicht der Behälteranlage mit den Zusatztanks

 

Motorenmuster: Bramo 323 R-2.
  1 min-Leistung:
  nmax 4 X 1000 PS -= 4000 PS.
  nmax = 2500 U/min.
  p = 1,50 ata.
  Startleistung mit Krafstoff Oktan 100
  4 X 1100 PS = 4400 PS.
   
Luftschrauben:  
  3-flgl. VDM-Verstell-Metall-Luftschraube.
  D 3,5 m.
  Grundeinstellung: 25 °.
  Schraubenuhrzeit: 1135
  Kraftstoffbehälter: Voll geschützt.
  4 X Behälter in Flügel, je 380 I..... 1520 l
  4 X Behälter in Flügel (Startbehälter), je 260 l ......1040 l
  5 X Behälter im Rumpf, je 1100 l..... 5500 l
  Nicht ausfliegbare Restmenge...... 260 I
  Kraftstoffbehälter, ungeschützt:
  2 X Zusatzbehälter in der Rumpfwanne, je 625 I ......1250 I
   
  Gesamtmenge ..........................9310 l

 

Die Rumpfwannenbehälter werden durch Außenbordanschluß links an der Rumpfaußenseite oberhalb des Flügels gefüllt. Die Betriebsbehälter in den Flächen werden von oben durch die Flächen-Betankungsanschlüsse und die 5 Rumpfbehälter über Außenbordanschlüsse und zwar 2 rechten und 3 linken an der Rumpfseite oberhalb des Flügels betankt.

Am Kraftstoff-Schalttisch im kleinen Rumpfraum hinten ist eine Rota-Kraftstoff-Meß-anlage zur Verbrauchsmessung eingebaut.

Die Rumpfbehälter können auf alle Triebwerke, die Flügelbehälter jedoch nur auf die dazugehörigen Triebwerke geschaltet werden. Die Kraftstofförderung erfolgt durch Maihak-Pumpen. In großen Flughöhen können die Behälterpumpen, die in jedem Behälter eingebaut sind, verwendet werden.

Ein Schnellablaß ist nicht eingebaut.

Für den Start wird aus den Startbehältern Kraftstoff mit 100 Oktan und für den Reiseflug A 2 Treibstoff mit 87 Oktan verwendet.

 

5. Bewaffnung:

Die Bewaffnung ist gegenüber der C-3 etwas geändert und umfaßt 1 MG 151, 1 MG 131 und 4 MG 15 in den Ständen A bis F. Die 3 Maschinenpistolen mit Munition der C-3 entfallen. Im einzelnen ist die Bewaffnung folgendermaßen verteilt:

A-Stand: Drehkranz D-30 mit MG 15 und Plexiglashaube. Der Stand ist vorne oben auf dem Rumpf und um 360° schwenkbar. Als Munition sind 1125 Schuß vorgesehen. Ersatzweise kann ein MG 131 in den D-30 mit 1000 Schuß nachträglich eingebaut werden. B-Stand: Drehkranz D-30 mit einem MG 131, das mit einem Rittervisier ausgerüstet ist, Munition 1000 Schuß. Der B-Stand ist hinter dem letzten Fenster oben auf dem Rumpf mit einer länglichen Plexiglashaube abgedeckt, deren hinteres Ende im Kampf hoch-geklappt wird.

C-Stand: Im hinteren Ende der Bodenwanne ist in einer Kegellafette ein MG 15 mit 750 Schuß (C-3 hat 1125 Schuß) eingebaut.

D-Stand: Im vorderen Ende der Bodenwanne ist ein MG 151 in eine Lafette L 151/1 mit 300 Schuß Munition eingebaut. Diese Anlage kann gegen eine FW-Austauschlafette mit LLg und MG 15 und 1125 Schuß Munition für den zusätzlichen Einbau von Bombenzielgeräten ausgetauscht werden.

F-Stände: Je eine ausschwengbare FW-Fensterlafette rechts und links mit MG 15 und 1500 Schuß Munition. Diese Waffen sind an den Rumpfwänden hinter den beiden etzten Fenstern befestigt.

Einbau der Zusatzbehälter in den Bombenraum. Die Behälter liegen bereit !

 

6. Abwurfbewaffnung:

Die Abwurfbewaffnung der FW 200 C-3/U-4, die normalerweise keine Bomben oder
Torpedos mitführt, wird bei verkürzter Reichweite an folgenden Stationen mitgeführt:

Rumpfwanne: Die zusätzlichen Kraftstoffbehälter können (bei verringerter Reichweite)
gegen 3X4 Stück Bombenschloß 50 oder 2 ETC 500 IXb ausgetauscht werden.

 

Die Bombenzuladung kann dann wie folgt aussehen:

Bombenbelademöglichkeit:  
  12 X SC 50 oder
  12 X SD 50 oder
  12 X Leuchtfallschirmbomben oder
  2 X SC 250 oder
  2 X SC 500 oder
  2 X SD 500 oder
  2 X PC 500

 

Äußere Motorgondeln: Anstelle von Zusatzbehältern mit Kraftstoff können an den beiden
PVC 1006 L der Motorgondeln diese Abwurfwaffen mitgeführt werden:
   
  2 X SC 250 oder
  2 X SC 500 oder
  2 X SD 500 oder
  2 X PC 500 oder
  2 X SC 1000 oder
  2 X SD 1000 oder
  2 X SD 1000 oder
  2 X SD 1400 oder
  2 X LMA oder
  2 X LMB

 

Außenflügel: Die beiden Außenflügelstationen können auch wie die FW 200 C-3 bewaffnet oder für den Torpedoabwurf mit 2 Stück LT S 5 bzw. LT S 5w bestückt werden. Die Bewaffnungsmöglichkeit beider Versionen umfaßt folgende Kaliber:
   
  2 X SC 250 oder
  2 X SC 500 oder
  2 X SD 500 oder
  2 X SC 1000 oder
  2 SD 1000 oder
  2 X PC 1000 oder
  2 X SD 1400 oder
  2 X SC 1700 oder
  2 X PC 1700 oder
  2 x SC 1800 oder
  2 X LMA oder
  2 X LMB

Bei vollen Behältern, einschließlich den Zusatztanks unter den Außenstationen und in der Rumpfgondel, ist die Mitnahme von Bomben oder Torpedos nicht möglich. Wird die Kraftstoffanlage entsprechend der normalen C-3 verwendet ist in der Rumpfwanne die Mitnahme von insgesamt 1030 kg Bomben möglich. Bei weiterer Verringerung der Kraftstoffmenge beträgt die größtmögliche Bombenlast 5400 kg.

Die Torpedo-Abwurtanlage hat keine elektrische oder mechanische Einstellmöglichkeit im Fluge Eine einfache mechanische Winkeleinstellung bis 18c ist nachrüstbar.

Die Abwufwaffen werden durch den Automaten RAB 14 Fl. 50943 im D-Stand und dem B-Knopf XI
am linken Steuerhorn des Flugzeugführers ausgelöst.

 

Zielgeräte:

Entgegen der FW 200 C-3 kommt serienmäßig nur der Einbau eines Revi C/12 C im Führerraum zurr Einbau das bei Tiefangriffen verwendet wird. Ein Einsatz von Bomben-zielgeräten wie die FW 200 C-3 sie verwendet, ist nur nach Austausch der L 151/1 mit den- MG 151 in- D-Stand möglich An Stelle dieser Lafette kommt dann eine Focke-Wulf-Austauschlafette mit MG 15 und eines der folgenden Zielgeräte zum Einsatz:

GV 219d in Ikaria-Lafette (statt FW-Lafette) oder
Lotfe 7b bzw Lotte 7c
Lotfernrohr 7 B-D
BZG 2L

 

Lafette auf der Condor Fw 200

Bildgeräte:

Die Mitnahme folgender Bildgeräte ist möglich:

Reihenbildner Rb 50/30 und Rb 20/30
Handkamera 12,5/7 X 9.

Reihenbildner Rb 50/30

 

Sondereinrichtungen:

Die nachtflugtaugliche FW200C-3/U-4 ist mit 2 X 33 kg Flugzeugzerstörkörpern ausgerüstet, die bei einer Notlandung in feindlichem Gebiet gezündet werden sollen, um die Maschine verwendungsunfähig zu machen.

 

Technische Daten FW 200 C-3/U-4:

Flügelfläche 118,00 m2
Spannweite 32,84 m
Länge 23,85 m
Höhe mit Antennenmast 6,30 m
Flächenbelastung bei 22,7 t 192 kg/m2
Beanspruchungsgruppe H 3
Höchstzulässiges Abfluggewicht 227,00 t
Höchstzulässiges Landegewicht 19,00 t
Normales Landegewicht 17,50 t
   
Höchstzulässige Gechwindigkeiten:  
Gleitflug 0-3 km Höhe 450 km h
Gleitflug über 3 km Höhe 400 km h
Gleitflug Bodennähe (unsichtiges Wetter) 230 km/h
Horizontalflug bei Kampfleistung  
  in 5 km Höhe bei G = 22,0 t 380 km/h*)
  in 5 km Höhe bei G = 27,6 t 406 km/h*)
*) Bei 2250 U/min und 1,18 ata Staudruck  
Für den 2- und 3-Motorenflug gelten folgende Werte:  

 

 

 
Höhe
Umdrehung
Staudruck
Geschwindigkeit
3-Motorenflug
m
U/min
ata
km/h
Ohne Außenlast, G = 17,5 t
4000
2000
1,05
292
Mit Außenlast, G = 21,7 t
3000
2100
1,1
270
2-Motorenflug        
Ohne Außenlast, G = 17,5 t
4000
2100
1,1
240
         
Größte Flugstrecke in 4 km Höhe
5245 km
     
Flugdauer ohne Sicherheitsabzug
17:05 h
     
         
         

 


 

Fw 200 C3
LDV. T 2200 C-3/Fl, Bedienvorschrift-Fl, 1941, 123

Grösse 7 MB

Rumpfeinteilung der Zivil-„Condor" B




Fernaufklärer Fw 200 - über dem Meer