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Titel Bordkanone BK 37

 

 

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I. Anmerkung

II. Beschreibung

III. Technische Daten

IV. Dokumente

V. Bilder

 

 

 

 

Die 8,8-cm-Düsen-Kanonen „Düka 88" und „DK M 43"

 

Anmerkung :

Den Rückstoß, eine unangenehme Begleiterscheinung, die durch die Gase, die sich beim Abschuß einer Feuerwaffe bilden, bewirkt wird, versuchte man bereits in den 30er Jahren durch verschiedene Methoden zu beseitigen. Am aussichtsreichsten erschien die Anwendung des sogenannten Düsenprinzips, bei dem ein Teil der Gase, die für das Herausschleudern des Geschosses aus dem Geschützrohr nicht benötigt werden, nach hinten oder zu den Seiten abgeleitet wurden und so den Rückstoß abminderten und sogar vollends aufhoben.

Mit dieser Technik ausgestattete rückstoßfreie „Leichtgeschütze", wurden bereits in den 40er Jahren eingeführt. Bei den in größeren Stückzahlen eingeführten Leichtgeschützen wurde der Gasschlag entgegen der Schußrichtung nach hinten durch die sogenannte „Tüte" abgelenkt.

Weil sich hier die Möglichkeit bot, ein Geschoß mit einem größeren Kaliber und stärkerer Wirkung als mit dem Kaliber von 2 cm, 3 cm oder 3,7 cm auch aus Flugzeugen abzuschießen, interessierte sich auch die Luftwaffe für dieses Waffensystem.

 

 

Skoda BK

Bild 1: Bei dieser von den Amerikanern bei Skoda erbeuteten 7,5 cm rückstoßfreien BK, deutet der US-Captain auf die seitliche Gasableitung.

 

 

Nähere Einzelheiten über die Entwicklung der rückstoßfreien Düsenkanone im Kaliber von 8,8 cm als Flugzeugbordwaffe und eine Beschreibung derselben kann man aus dem „Unterluess-Bericht 93, WK B 17" entnehmen, welche von einem Rheinmetall-Team unter britischem Kommando am 29. 8.1946 erstellt wurde, und der wie folgt lautet:

 

Bericht vom 05.01.1944

Unterluess-Bericht 93, WK B 17 pdf. Datei - Grösse 3 MB

 

 

Beschreibung :

Die rückstoßfreie Flugzeugkanone Düka 88

Das Bestreben, Flugzeuge mit Waffen möglichst großen Kalibers auszurüsten, steht die Notwendigkeit gegenüber, die großen RückStoßkräfte solcher Waffen in irgendeiner Weise aufzunehmen oder aber aufzuheben. Bekannt ist die Davis-Kanone, eine Konstruktion, die eine dem Geschoßgewicht gleichschwere Masse nach hinten aus dem Geschütz ausstößt und auf diese Weise ohne Rückstoß arbeitet. Nachteilig ist der doppelte Aufwand an Stahl und Pulver für Geschoß und Treibladung sowie das Rohr, da praktisch das gleiche Geschützrohr noch einmal, allerdings in umgekehrter Richtung, angebracht werden muß.

Von mehreren Entwicklungsstellen wurde daher an dem Problem gearbeitet, unter möglichst geringem Aufwand ein rückstoßfreies Geschützrohr darzustellen. So ist in den Jahren 1935/36 von Rheinmetall-Borsig ein 3,7-cm-Rohr gebaut worden, das, am Ladungsraum beginnend, mit nach vorn führenden Gasableitungskanälen versehen war. Ein Teil der Pulvergase wurde durch diese Kanäle gegen am Rohr befestigte Umlenkplatten geleitet, und der hier ausgeübte Impuls diente zur Rückstoßverminderung. Durch die Abzapfung der Gase am Ladungsraum tritt im Gegensatz zur Mündungsbremse ein Verlust an Mündungsenergie auf, der nur durch eine Erhöhung der Pulverladung wieder ausgeglichen werden kann. In Anbetracht dieser Tatsache schien es einer Erprobung wert zu sein, die den Rückstoß ausgleichenden Gase sofort nach hinten zu leiten und ihren Ausgleichsimpuls durch eine Laval-Düse noch zu verstärken.

Die Versuche für die Entwicklung einer solchen Düsenkanone wurden zunächst mit einem 7,5-cm-Rohr ausgeführt, wobei die Anwendung auf die Flugzeugbewaffnung von Rheinmetall-Borsig von Anfang an beabsichtigt war. Es gelang 1936, das erste Rohr mit einer Leistung V0 - 600 m/s und Geschoßgewicht = 6,5 kg rückstoßfrei zu beschießen. Anschließend setzten sofort Versuche an einem Flugzeugmuster ein. Nach verschiedenen Untersuchungen an mehreren Flugzeugrümpfen wurde das Baumuster Bf 110 in Aussicht genommen.

Die großkalibrigen Flugzeugkanonen sollten zunächst in Flugzeuge des Zerstörertyps als Hauptwaffen zum Einsatz gegen feindliche Flugzeuge dienen. Als Geschoß sollte ein Schrapnell verwendet werden, das mit einem Zeitzünder mit fester Zeiteinstellung zur Detonation gebracht werden sollte. Dazu reichte indessen das Kaliber 7,5 cm nicht aus, und es wurde für die Weiterentwicklung das 8,8-cm-Kaliber gewählt. Erst später schälte sich als Aufgabe für dieses Geschütz die Bekämpfung von leichten Seezielen und Panzerwagen heraus.

Das Geschütz erhielt eine V0 - 600 m/s bei einem Geschoßgewicht von 9 kg. Die Pulverladung einschließlich der Ladung zum Rückstoßausgleich betrug ungefähr 5,7 kg. Das Geschütz sollte unter das Flugzeug gehängt und mit einer Wanne umgekleidet werden. Um eine genügend große Feuerfolge zu erzielen, mußte das Geschütz eine automatische Ladeeinrichtung erhalten, deren Antrieb zweckmäßig von einer fremden Energiequelle, z. B. dem Bordstromnetz, gespeist wurde.

Da die zentrale Ableitung der Gase zunächst als geschützseitig einfachste Lösung im Vordergrund stand, erstreckten sich die weiteren Untersuchungen in erster Linie darauf, die Flugzeugbauteile gegen die starke Beaufschlagung durch die aus der Düse ausgestoßenen Gase haltbar zu machen. Insbesondere waren die Beplankungen des Rumpfendes und das Höhenleitwerk gefährdet. Da die Rohrmündung weit über die Kanzel vorstand, waren hier keine Beschränkungen zuerwarten und sie zeigten sich auch nicht. Die Beschußversuche an Flugzeugrümpfen ergaben jedoch, daß es unmöglich war, sie gegen starken Gasschlag aus der Düse haltbar zu machen. Die Geschützkonstruktion mußte daher grundsätzlich geändert werden.

 

Zentrale Gasableitung
seitliche Gasableitung
Abb 1: zentrale Gasableitung
Abb 2: seitliche Gasableitung

 

 

Ju 88 Attrape

Junkers - Ju 88 Test Rumpf

 

 

Schon während der oben geschilderten Versuche hatte sich gezeigt, daß das Baumuster Bf 110 nicht gut zur Aufnahme der 8,8-cm-Düsenkanone geeignet war. Dagegen stand inzwischen in der Ju 88 eine besser geeignet erscheindende Maschine zur Verfügung. Die weiteren Versuche wurden daher in Zukunft ausschließlich an dieser Maschine gemacht. Günstig an ihr war außerdem, daß sie eine andere, für das Flugzeug günstigere Geschützkonstruktion zuließ. Es erschien zweckmäßig, den aus der Düse austretenden Gasstrahl zu teilen und dadurch die an einer Stelle auftretende Beaufschlagung zu vermindern, wenn auch der Aufwand pulverseitig höher war.

 

 

Ju 88 Dueka

Junkers - Ju 88 man beachte die obere Gasableitung aus dem Rumpf !

 

 

Die so entstandene Düka 88 entnimmt die Gase zum Rückstoßausgleich im Ladungsraum am Ort der Verbindung von Geschoß und Patronenhülse. Die sonst im Hülsenboden befindliche Verdämmungsscheibe aus Preßstoff hat in diesem Falle die Form eines Zylinders, der zugleich Geschoß und Hülse verbindet und die Düsenöffnungen abdeckt. Es sind zwei Abströmöffnungen, je eine nach oben und unten, vorhanden, die unter 60° gegen die Seelenachse geneigt sind. Die Kanone wurde wie bisher unter dem Flugzeugrumpf in eine besondere Bodenwanne gehängt (siehe Einbauschema, Abb 3).

 

Einbauschema

Bild 3: Die Kanone wurde unter dem Flugzeugrumpf in eine besondere Bodenwanne gehängt

 

 

Das eine Abströmrohr führte nach unten aus der Wanne heraus ins Freie, während das andere durch die Maschine hindurch auf die Flugzeugoberseite und von dort ins Freie geführt wurde. Die Abströmrohre waren naturgemäß verschieden lang; zum Ausgleich des dadurch auftretenden Impulsunterschiedes waren die Düsenquerschnitte um ein geringeres Maß unterschiedlich. Die Abwinkelung betrug 60°. dadurch wurde der Pulveraufwand für die Ausgleichladung

 

1/cos 60° = 2mal so groß wie bei achsialer Abströmung.

 

Diesem Nachteil steht jedoch als Vorteil gegenüber, daß normale Kartuschhülsen verwendet und Lade- und Abfeuervorgang dem normalen Geschütz weitgehend angeglichen werden können. Abb 4: zeigt die Munition im Schnitt.

 

Munition im Schnitt

 

Abb 4: zeigt die Munition im Schnitt

 

 

Das Geschütz hatte einen Fallblockverschluß mit elektrischer Abfeuerung und eine vollautomatische Ladevorrichtung mit Antrieb durch einen Elektromotor, durch den auch der Verschluß und die Abfeuerungsteile betätigt wurden. Die Ladevorrichtung bestand aus einer Trommel, die zehn auf dem Umfang angeordnete Patronen aufnehmen konnte. Kupplungen und andere mechanische Schalteinrichtungen sorgten dafür, daß die Patrone in das Rohr geführt, der Verschluß geschlossen, abgefeuert, geöffnet, die leere Kartuschhülse herausgezogen und die Trommel weitergedreht wurde. Bei Versagen der Abfeuerung konnte durch besondere Schaltung auch die volle Patrone aus dem Rohr gezogen werden.

Bemerkenswert ist, daß leere Hülsen und Versagerpatronen wieder an ihre ursprüngliche Lagerstelle in der Trommel zurückgebracht wurden. Der Schußabstand betrug 2 bis 3 Sekunden. Abb 5: zeigt ein schematisches Bild der Waffe.

 

 

Darstellung der Waffe

Abb 5: zeigt ein schematisches Bild der Waffe

 

 

Die Waffenentwicklung hat im allgemeinen keine großen Schwierigkeiten gemacht. Erheblichen Umfang nahmen hingegen die Versuche zur Zellenversteifung gegen die Gasbeaufschlagung ein. Die ersten Versuche wurden, wie bei dem Geschütz mit zentraler Düse, an einem Flugzeugrumpf im Stand gemacht. Sie zeigten indessen erheblich geringere Beschädigungen als bei Versuchen mit zentraler Düse. Am unteren Ausführungskanal traten keine wesentlichen Beschädigungen ein. jedenfalls waren sie sofort auszuschalten. An der Rumpfoberseite jedoch mußten erhebliche Versteifungen durchgeführt werden. Sie bestanden zunächst in Verstärkungen der Spante und später auch der Blechhaut, doch wurden die Erprobungen nicht mehr zu Ende geführt, da die Firma Junkers wegen anderer dringender kriegsentscheidender Aufgaben nicht mehr an diesen Problemen weiterarbeiten konnte.

Immerhin konnte jedoch noch das Versuchsgeschütz in eine flugfähige Maschine eingebaut, die Aufhängung im Fluge auf ihre Haltbarkeit erprobt und die Maschine auf ihre Flugeigenschaften untersucht werden. Es haben sich in dieser Hinsicht keine Schwierigkeiten gezeigt, so daß die Erwartung ausgesprochen werden kann, daß die Gesamtkonstruktion bei Fortführung der Versuche mit Erfolg hätte zu Ende geführt werden können.

 

Über die in diesem Bericht erwähnten Versuche bei Junkers lesen wir in einem Aktenvermerk der Erprobungsstelle Tarnewitz über die Dienstreise des Haupting. Lehmann nach Berlin vom 8.1. bis 10.1.1942 wie folgt:

 

Bericht vom 05.01.1944

Aktenvermerk vom 8.1. bis 10.1.1942 pdf. Datei - Grösse 2 MB

 

 

 

„Düka 88"

In derZeit vom 20.1. bis 27.1.1942 soll eine Attrappenbesichtigung bei Junkers stattfinden. Automat für die Nachladung ist fertig, die Versuche betr. Funktion laufen. Ebenfalls laufen Versuche um rückstoßfreies Schießen zu erreichen. Es sollen 20 Düka 88 bestellt werden. Rheinmetall-Bor-sig soll sofort Angebot an GL/C-E 6 einreichen."

 

Dueka von links

Abb 6: Düka von links ....

 

 

Technische Daten :

Bezeichnung: Düka 88
Kaliber: 8,8 cm
Ganze Länge: 6477 mm
Gesamtgewicht: 970 kg
Zuglänge: 4403 mm
Anzahl der Züge: 32
Zugtiefe: 1,05 mm
Zugbreite: 5,02 mm
Mündungsgeschwindigkeit: 600 m/s
Mündungsenergie: 165 mkg
Patronenlänge: 1281 mm
Gewicht der Patrone: 18.9 kg
Geschoßart: Sprenggranate
Geschoßgewicht: 9 kg
Sprengladung: 0,7 kg
Schußfolge: 15 Schuß/min

 

 

Dueka von rechts

Abb 7: Düka von rechts .....

 

 

 

 

 


Die 8,8-cm-DKM 43

 



Nachdem die zuständigen Stellen der deutschen Kriegsmarine von den Erfolgen der als „Leichtgeschütze" bezeichneten Düsengeschütze erfahren hatten, trat bei ihnen der Wunsch nach einem gleichartigen Geschütz auf, mit dem man die schnellfahrenden leichten U-Bootjäger ausstatten wollte, um sie auch während der Fahrt abschießen zu können.


Und so wurde die Firma Krupp beauftragt, Rohr und Verschluß einer solchen Kanone zu konstruieren, während aus unbekannten Gründen die Firma Rheinmetall mit der Entwicklung der Lafette betraut wurde. Später sollte auch diese Firma eine eigene Rohrkonstruktion vorlegen.

Hierzu lesen wir in einem Fernschreiben des Hauptwerkes von Rheinmetall an die Abteilung WK in Berlin vom 20. 7.1944 über die laufenden Aufträge der Sonderkommission „Abschußgerät" wie folgt:

 

 

Bericht vom 05.01.1944

Fernschreiben 20. 7.1944 jpeg. Datei - Grösse 0,5 MB

 

 

„8,8-cm-DKM 43 Auftrag 813110031 - 813300580

Auftrag lautet auf ein Rohr mit 2 Lafetten. Rohr ist Krupp-Konstruktion. Beide Geräte sind vorgestellt und beschossen. Ein neues Rh.-Bo.-Rohr wird diese Woche fertig und soll mit entsprechend verstärkter Lafette ab 24. 7. in Unterlüß sein."

Die DKM 43 (= Düsenkanone, Marine. Konstruktionsjahr 1943) mußte aber, um die Bedienungsmannschaft nicht zu sehr zu gefährden, anstatt mit der seitlichen Gasableitung wiederum mit der zentralen Gasableitung ausgestattet werden, die trotzdem noch eine besondere Vorsicht der Mannschaft erforderte, um nicht von den nach hinten austretenden Gasen getroffen zu werden.

Bei Krupp wurden die Konstruktionszeichnungen 2 AKR 185045 mit Untergruppen am 19.11.1943 fertig und wurden am 22.11.1943 ergänzt. Aber erst am 5.6.1944, nachdem die Erprobung schon längst angelaufen war (siehe Schießlisten unten folgend), wurde die Beschreibung des Rohres und Verschlusses fertig und von der Abteilung Späeth bei Krupp an die Hauptabteilung nach Essen abgesandt. Wie man aus dem Dokument unten folgend ersehen kann, wurde angefragt, ob man diese Beschreibung auch an die Firma Rheinmetall senden solle, wo die Lafette für die DKM 43 gefertigt wurde.

 

Nur einen Tag später, nämlich am 6. 6.1944, antwortete Herr Schubert (siehe Dokument unten) wie folgt:

 

6.6.1944

Dokument vom 06.06.1944 pdf Datei - Grösse 1 MB

 

„Rohrbeschreibung geprüft. Von einem Auftrag auf Herstellung der Beschreibung ist mir nichts erinnerlich. (Schriftverkehr z. Zeit nicht greifbar.)
Einsendung an Rheinmetall würde mir verfrüht erscheinen. Wir müssen vielleicht vor endgültiger Annahme dieser Bauart noch Änderungen anbringen." (Kommentar überflüssig!)


Zu der erwähnten Zeichnung, die wir in drei Teilen wiedergeben, damit man noch Einzelheiten gut erkennt, wurde, wie bereits erwähnt, folgende

Beschreibung

für Rohr und Verschluß der DKM 43 vorgelegt:

I. Rohr

Das Geschützrohr ist rückstoßfrei. Es besteht in der Hauptsache aus dem Vollrohr (1), dem Bodenstück (2) und dem Gewindering (3).

Auf das Vollrohr, im folgenden kurz Rohr genannt, ist hinten das Bodenstück geschraubt, das gegen Verdrehen durch den im Bodenstück und Rohr eingelegten Dübel (4) gesichert ist. Der Dübel wird gegen Heraustreten durch den an der vorderen Keillochfläche geschraubten Deckel (5) gehalten. Die Gewindegänge des Rohres und des Bodenstückes werden durch den Gewindering (3), der mit dem Bodenstück verstemmt ist, zusammengepreßt. Eine zwischen Gewindering und Bodenstück eingelegte Dichtungsschnur verhindert das Eindringen von Feuchtigkeit. Der vor dem Bodenstück befindliche zylindrische Teil des Rohres dient zur Lagerung des Schildzapfen-ringes, der sich nach hinten gegen den Bund (6) legt und durch Gewindering (7) gehalten wird. Die oben in der Lagerfläche eingearbeitete Nute dient zur Aufnahme einer Paßfeder, die beim Schuß das Drallmoment auf den Schildzapfenring überträgt.

Das Innere des Rohres gliedert sich in den Ladungsraum und den gezogenen Teil. Letzterer hat 32 Züge, die nach der Mündung hin in zunehmendem Rechtsdrall verlaufen. An der Mündungsfläche sind die senkrechte und waagerechte Ebene durch die Seelenachse durch Markenstriche sowie der erste Zug und das erste Feld mit einer 1 bezeichneten der vorderen Keillochfläche befindet sich ein Markenstrich, der eine etwaige Verdrehung des Bodenstückes gegenüber dem Rohr erkennen läßt. In dem Ladungsraum befindet sich links oben eine Ausnehmung für den Ansatz der Kartuschhülse, der die Zündschraube enthält. In diese Ausnehmung mündet die Bohrung für den Durchgang der Schlagbolzenspitze.

Im Bodenstück befindet sich das nach hinten offene Keilloch, in dem sich oben und unten je eine Nute zur Führung des Verschlußkeils befindet. Oben an die hintere Fläche des Bodenstückes ist das Raststück (8) für die Klinke der Öffnerkurbel geschraubt. Auf dem Bodenstück ist eine Ausnehmung für das mit zwei Schrauben befestigte Gehäuse, das das Zündschloß und die Sicherung aufnimmt, eingearbeitet. Außerdem enthält das Bodenstück noch einige Ausnehmungen und Bohrungen für das Zündschloß sowie für die Bewegungs- und Sicherungseinrichtung des Verschlusses.

 

 

Rohr Plan

Abb 8: Zeichnung zu Rohr der DKM 43 von Krupp vom 22.11.1943

 

 

 

II. Verschluß

a) Allgemeines

Der Verschluß ist ein Leisten-Kniehebelkeilverschluß mit Lenkantrieb, der sich nach rechts öffnet. Das Zündschloß ist in einem Gehäuse auf dem Bodenstück untergebracht und wird beim Öffnen des Verschlusses gespannt. Nach einem Versager kann das Zündschloß durch einen besonderen Hebel erneut gespannt werden, ohne den Verschluß zu öffnen. Ein Abfeuern ist nur bei vollständig geschlossenem Verschluß möglich. Durch Drehung der Kurbel mit dem Drehmittelpunkt des Lenkers über die Totpunktlage wird der Verschluß verriegelt und in dieser Lage durch die eingerastete Handklinke gehalten. Das Abfeuern kann durch eine besondere Sicherung verhindert werden

 

Verschluss

Abb 9: Zeichnung des Verschlusses der DKM 43 von Krupp vom 22.11.1943

 

 

b) Verschlußkeil

Der Verschlußkeil ist im Keilloch des Bodenstückes verschiebbar gelagert. Er wird in den oben und unten im Bodenstück befindlichen Führungsnuten, die zur Keillochfläche etwas geneigt sind, geführt. Beim Offnen tritt daher die vordere Keilfläche etwas zurück.

Im linken Teil des Keils befindet sich die Lademulde. Sie hat vorn rechts eine Abschrägung, durch die beim Schließen des Verschlusses eine nicht weit genug angesetzte Kartuschhülse bis zum Ansatz an der vorderen Keillochfläche vorgedrückt wird. Rechts ist an den Keil eine Platte geschraubt, die bei geschlossenem Verschluß am Bodenstück anliegt. In den Keil ist von hinten die durch zwei Paßstifte gegen Verdrehen gesicherte Düse eingeschraubt und von vorn das Düsenfutter, gegen das sich beim Schuß die Kartuschhülse legt, eingesetzt. Die Düse hat innen vier im Rechtsdrall verlaufende Drallrippen. Durch die Wirkung der beim Schuß nach hinten ausströmenden Pulvergase auf diese Rippen wird dem auftretenden Drallmoment entgegengewirkt.

c) Bewegungseinrichtung

In zwei Lageraugen hinten rechts am Bodenstück ist der Bolzen eingesetzt, um den sich die Öffnerkurbel dreht. Sie hat links einen Griff, in dem sich die unter Federdruck stehende Klinke befindet, deren Zahn bei geschlossenem Verschluß in das am Bodenstück angeschraubte Raststück greift. In der Mitte der Öffnerkurbel ist der Lenker drehbar befestigt, der mit seinem Zapfen in die Bohrung eines Ansatzes an der hinteren Keilfläche greift.

Zum Öffnen wird der Griff der Öffnerkurbel umfaßt und die Sperrklinke in der Griff gedrückt. Hierbei tritt der untere Zahn der Klinke aus dem Raststück. Wird jetzt die Öffnerkurbel nach hinten rechts gedreht, entriegelt zunächst der Verschluß, in dem der Drehmittelpunkt des Lenkers aus der Totpunktlage schwenkt, und dann schiebt der Lenker den Keil nach rechts.

 

Detail zur Zeichnung

Abb 10: Details zur Zeichnung Nr. 2 AKR 185045

 

 

d) Auswerfereinrichtung

In einer Ausnehmung rechts an der vorderen Keiloberfläche ist der Auswerfer drehbar um die im Bodenstück befindliche Auswerferwelle gelagert, die durch eine in ihrem oberen Teil befindliche federnde Klinke gehalten wird. Zu Ende der Öffnungsbewegung des Verschlusses stoßen die schrägen Flächen an der vorderen Keilfläche gegen die Knaggen des Auswerfers, wodurch die Auswerferarme nach hinten schwingen und mit ihren Krallen die Kartuschhülse aus dem Rohr schleudern. Die Auswerferarme legen sich am Ende des Auswerferhubes gegen den Keil und begrenzen die Öffnungsbewegung des Verschlusses.

e) Zündschloß und Abfeuereinrichtung

Das Zündschloß, das, wie bereits erwähnt, in dem auf dem Bodenstück angeschraubten Gehäuse untergebracht ist, besteht in der Hauptsache aus dem Abzugstück, dem Schlagbolzen mit Spitze, der Schlagfeder, der Spannwelle, dem Spannschieber, der Feder, der Spannscheibe und dem Wiederspannhebel; die Abfeuereinrichtung aus der Zugstange mit Lagerauge, dem Hebel, der Welle mit Gabelhebel und dem Lager.


Das dreiarmige Abzugstück ist mit seinem Bolzen in dem Gehäuse drehbar gelagert. Es wird gegen Heraustreten durch den Bolzen, der unter dem Druck der Feder steht, gehalten. Der Schlagbolzen ist in einer im Gehäuse und im Bodenstück eingesetzten Büchse verschiebbar gelagert. Er hat oben zwei sich gegenüberliegende Ansätze; der linke Ansatz liegt in gespannter Lage des Zündschlosses über dem vollen Teil des an dieser Stelle abgeflachten Bolzen des Abzugstückes, der rechte ragt in eine Ausnehmung der Spannwelle. In der Bohrung des Schlagbolzens befindet sich die Schlagfeder. Sie stützt sich unten gegen den Schlagbolzen, nach oben gegen das im Gehäuse bajonettartig eingesetzte Schlagfedergegenlager ab.

Die Spannwelle ist gleichlaufend zum Bolzen des Abzugstückes drehbar in dem Gehäuse gelagert, sie ist zur Aufnahme des Sicherungsbolzens durchbohrt und hat hinten einen Zapfen. Dieser greift in eine Nute des Spannschiebers, der verschiebbar in dem Gehäuse gelagert ist und durch die Feder nach rechts gegen die Spannscheibe gedrückt wird. Um den Bolzen für die Öffnerkurbel ist der Wiederspannhebel drehbar gelagert, dessen Lagerauge außen exzentrisch zur Drehachse der Öffnerkurbel ist. Der Wiederspannhebel trägt links den unter Federdruck stehenden Kupplungsknopf, dessen Zapfen in eine Bohrung des Öffnerhebels tritt.

Der linke Arm des Abzugstückes trägt einen runden Zapfen, an den die Zugstange angelenkt ist. Sie hat unten das aufgeschraubte Lagerauge, durch dessen Bolzen sie mit dem Hebel verbunden ist. Der Hebel ist durch einen Federsplint mit der Welle verbunden, die sich in dem unter dem Bodenstück angeschraubten Lager dreht.

1. Spannen des Zündschlosses

Beim Öffnen des Verschlusses wird der Wiederspannhebel durch die Öffnerkurbel mitgedreht, da er durch den Kupplungsknopf mit dieser verbunden ist. Durch diese Drehung wird die Spannscheibe links herum und der Spannschieber gegen den Druck der Feder nach links geschoben. Die mit ihrem Zapfen in eine Nute des Spannschiebers greifende Spannwelle erfährt hierdurch eine Rechtsdrehung, bei der die unter den rechten Ansatz des Schlagbolzens greifende Nase der Spannwelle den Schlagbolzen gegen den Druck der Schlagfeder nach oben drückt. Der Schlagbolzen wird so weit nach oben bewegt, bis das Abzugstück unter der Wirkung des unter Druck der Feder stehenden Bolzens auf den einen Arm des Abzugstückes eine Rechtsdrehung ausführen kann. Bei dieser Drehung tritt der abgeflachte Teil des Bolzens des Abzugstückes unter den linken Ansatz des Schlagbolzens und hält ihn fest. Das Zündschloß ist jetzt gespannt.

Wird der Verschluß geschlossen, dann kehren Spannwelle, Spannschieber und Spannscheibe unter Wirkung der Feder in ihre Ruhelage zurück.

2. Abfeuern

Zum Abfeuern wird die Welle an ihrem Gabelstück gedreht, wodurch die Zugstange nach unten gezogen und das Abzugstück links herum gedreht werden. Der abgeflachte Teil des Bolzens des Abzugstückes gleitet hierbei von dem linken Ansatz des Schlagbolzens ab, der nun unter dem Druck der Schlagfeder nach vorn schnellt, wobei seine Spitze gegen die Zündschraube schlägt.

3. Wiederspannen des Zündschlosses

Um das Zündschloß nach einem Versager wieder zu spannen, wird der Kupplungsknopf am Wiederspannhebel bis zur Begrenzung nach oben gezogen und der Wiederspanhhebel nach hinten rechts bewegt. Hierdurch wird das Zündschloß, wie beim Öffnen des Verschlusses beschrieben, gespannt.

f) Sicherungen

1. Sicherung des feuerbereiten Geschützes

In der Spannwelle und in der in diese eingesetzten Büchse ist der Sicherungsbolzen gelagert, der hinten einen Griffknopf trägt und vorn einen Bund hat. Die an dem Sicherungsbolzen befestigte Blattfeder greift in Sicher- oder Feuerstellung der Sicherung in entsprechende Rasten der Büchse.

Zum Sichern wird der Sicherungsbolzen bis zur Begrenzung nach hinten gezogen, so daß der Griffknopf neben der auf dem Bodenstück angebrachten Bezeichnung „Sicher" steht. Hierbei tritt der Bund des vorderen Endes des Sicherungsbolzens in die Bahn des Abzugstückes. Es kann daher nicht abgefeuert werden.

Zum Entsichern wird der Sicherungsbolzen nach vorn gedrückt, so daß sein Griffknopf neben die Bezeichnung „Feuer" zu stehen kommt. Nun liegt der Bund am vorderen Teil des Sicherungsbolzens auf der Bahn des Abzugstückes. Es kann daher abgefeuert werden.

 

Gesamtansicht

Abb 11: Gesamtansicht Zeichnung Nr. 2 AKR 185045 U1

 

 

 

2. Sicherung gegen vorzeitiges Abfeuern

In einer Bohrung des Bodenstückes ist der Bolzen gelagert. ird durch die Feder, die sich nach vorn an der in das Bodenstück geschraubten Buchse abstützt, nach hinten gedrückt. Der vorn aus der Buchse heraustretende Teil des Bolzens hat eine Ringnute und steht in der Bahn des ebenfalls mit einer Nute versehenen Ansatzes des Abzugstückes. Ist der Verschluß ganz geschlossen, d.h. rastet die Sperrklinke der Öffnerkurbel in ihrem Raststück ein, dann hat die Öffnerkurbel den Bolzen nach vorn gedrückt, und es steht der volle vordere Teil des Bolzens in dem der Nute im Ansatz des Abzugstückes gegenüber. Es kann abgefeuert werden.

Ist der Verschluß nicht ganz geschlossen, liegt also die Öffnerkurbel nicht an dem Bodenstück an, dann ist der Bolzen unter dem Druck der Feder nach hinten getreten. Der volle vordere Teil des Bolzens steht jetzt sperrend dem Ansatz am Abzugstück gegenüber. Es kann daher nicht abgefeuert werden."

Diese hier wiedergegebene Beschreibung der DKM 43 von Krupp mit eingearbeiteten Berichtigungen war aber erst am 21.2.1945 fertig, wie wir aus Dokument 2 ersehen können. Hier heißt es
nämlich:

 

„Beschreibung von Rohr und Verschluß sind im Entwurf fertig. Da das Gerät bei Rheinmetall gefertigt wird, muß auf die Anforderung der Beschreibung von dort gewartet werden."

 

21.02.1945

Dokument vom 21.02.1945 jpeg. Datei - Grösse 0,5 MB

 

 

Man behandelte diese Entwicklung bei Krupp ziemlich geheim und wollte verhindern, daß der Konkurrent Rheinmetall zu bald über die angewandte Technik informiert wird und womöglich für seine eigene Entwicklung ausnützt. Dabei war zwei Monate später der ganze Spuk zu Ende.

 

Die Erprobung der DKM 43

erfolgte auf den Schießplätzen in Meppen und Unterlüß, was wir mit den hier wiedergegebenen „Schießlisten" belegen können. Diese sind aber leider nicht in der sonst üblichen Qualität, weil sie aus dicken zusammengehefteten Bänden kopiert wurden und deshalb an einigen Stellen durchgebogen sind. Wir haben uns dennoch entschlossen, sie wiederzugeben.

 

Die DKM 43 von Krupp

wurde, wie man aus Dokument 3 ersehen kann, mit dem Versuchsschuß „X" und den Schüssen 1 a, 1 b sowie 2 bis 6 in der Zeit vom 16. bis 18.2.1944, also lange bevor die erste Beschreibung erschien, in Unterlüß erprobt, wobei verschiedene Pulversorten getestet wurden. Als Geschoß stand die 8,8-cm-Sprenggranate nach Zeichnung 13 Z1 schon fest, aber mit dem geeigneten Pulver der Treibladung hatte man, auch noch in der späteren Zeit, große Schwierigkeiten. Wie unterschiedlich sich Gasdruck und Geschwindigkeiten darstellten, kann man aus der Schießliste 246/1944 ersehen.

Die Ergebnisse der Schüsse 7 bis 30, die in der Zeit vom 8. bis 10.3.1944 in Meppen abgegeben wurden, kann man aus Dokument 4 ersehen. Auch hier sind starke Unterschiede feststellbar. Auch bei den Schießversuchen vom 24. und 25. 4.1944 in Meppen mit den Schüssen 31 bis 47 sah es nicht viel besser aus, was man aus Dokument 5 entnehmen kann. Schließlich ging das Zündschloß zum zweiten Mal zu Bruch und die Versuche wurden abgebrochen.

 

6.6.1944

Schiesslisten pdf.Datei - Grösse 12 MB

 

 

Die DKM 43 von Rheinmetall

Die Schießversuche würden zunächst in Meppen und dann in Unterlüß durchgeführt, was man aus den Dokumenten 6 bis 8 ersehen kann. Auch hier wurden verschiedene Pulver für die Treibladung erprobt, und wie man sehen kann, ebenfalls mit unterschiedlichen Resultaten. Die Ballistiker unter unseren Lesern werden beim Betrachten der Schießlisten für den Zeitraum vom 8.3. bis 4.5. 1944 sicher voll auf ihre Kosten kommen.

Da die Erfolge mit den unterschiedlichen Rohren 001 und 002 nicht den Erwartungen entsprachen, wurde schließlich noch das Rohr Nr. 003 geschaffen, welches, auch mit einem abgeänderten Verschluß, am 27. und 28.7.1944 mit den Schüssen 1 bis 7 angeschossen wurde.

 

6.6.1944

Bericht vom 11.08.1944 pdf.Datei - Grösse 6 MB

 

 

 

Aus Dokument 9 ist hier zu ersehen, daß man den Grund für die bisherigen Mißerfolge in der Patronenhülse (bei der Beschreibung von Krupp ist eigenartigerweise von einer Kartuschhülse die Rede) erkannt und diese entsprechend abgeändert hat. Dieser Bericht vom 11.8.1944 ist auch noch in anderen Punkten höchst interessant, auf die wir aber nicht weiter eingehen wollen.

 

Huelse 88

 

Abb 12: Zeichnung der Patronenhülse zum Bericht vom 11.08.1944

 

 

Die Erprobung fand, wie auch z. T. bei früheren Versuchen, mit dem in ein Pendelgestell eingelagerten Rohr Nr. 003 statt. Hiervon können wir auch drei Bilder vorstellen, die zwar in der Qualität viel zu wünschen übrig lassen, aber doch so selten sind, daß wirsie dennoch wiedergeben wollen, zumal sie erstmals überhaupt gezeigt werden können.

Obwohl man aus dem Bericht ersehen kann, daß der Beschuß zufriedenstellend verlaufen sein soll, ist die Entwicklung der DKM 43 ebenso wie der Düka 88 nicht zur Serienreife gediehen und keine der beiden Waffen eingeführt worden.

 

Bilder:

 

Geschlossen

 

Abb 13: zum Bericht vom 11.08.1944, DKM Hägegestell, geschlossen

 

Geoeffnet

 

Abb 14: zum Bericht vom 11.08.1944, DKM Hägegestell, geöffnet

 

Seitenansicht

 

Abb 15: zum Bericht vom 11.08.1944, DKM von der Seite

 

 

Dokumente:

 

 

Beschreibung "DKM"

 

Bericht vom 05.01.1944

Beschreibung DKM 43 pdf. Datei - Grösse 8 MB

 

 

 

 

 

Weiter Düka Projekte

 

Dueka 44

 

Krupps DKM 44 auf Panther-Fahrgestellen



Zur Invasionsabwehr entstanden Pläne die Düsenkanone DKM 44 von Krupp auf zwei Panther-Fahrgestellen nach dem Langholzprinzip zu konstruieren. Ein Exemplar befand sich bei Kriegsende gerade in der Erprobung!

 

 

 

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